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Lokale KI8. September 202613 Minuten

Europäische KI: welche Modelle es gibt und was sie leisten

Europäische KI-Modelle gibt es: Vier Verbünde liefern Sprachmodelle zum Herunterladen, dazu die Bildmodelle von Black Forest Labs. In den öffentlichen Messungen liegen sie hinter den amerikanischen Spitzenmodellen, bei der Lizenz teilweise davor. Die Herkunft ändert etwas, aber nicht bei der KI-Verordnung, sondern beim Betriebsweg: dort, wo das Modell läuft und wer an die Daten kommt.

Eckdaten
Kurzform
Apertus und EuroLLM sind offen lizenziert, bei Mistral, Teuken und FLUX hängt die Lizenz an der einzelnen Fassung, die Spitzenwerte der Ranglisten halten andere
Größtes offenes Modell
Mistral Large 3, 675 Mrd. Parameter gesamt, 41 Mrd. aktiv je Token, Apache 2.0, Fassung v25.12
Aus Deutschland
Teuken-7B aus dem Verbund OpenGPT-X, Black Forest Labs für Bilder, dazu Aleph Alpha mit Pharia-1-LLM-7B und DeepL als Fachanbieter
Gemessener Abstand
Artificial Analysis Intelligence Index: Mistral Medium 3.5 unter geänderter MIT-Lizenz bei 23, das offen lizenzierte Mistral Large 3 bei 10, Spitzenwert 57, Abruf 5. September 2026
Rechtlich
Die KI-Verordnung gilt nach Art. 2 Abs. 1 unabhängig davon, ob der Anbieter in der Union oder in einem Drittland sitzt
Belegter Fall
Kein eigener Fall zur Modellwahl, nur ein Vergleich öffentlicher Angaben. Für den Betrieb im eigenen Netz steht der Fallbericht eines Armaturenherstellers
Stand
September 2026

Welche Anbieter es im September 2026 gibt

Fünf Namen tragen das Feld: Mistral aus Frankreich, Apertus aus der Schweiz, Teuken aus dem Verbund OpenGPT-X, das von der Europäischen Union finanzierte EuroLLM und Black Forest Labs. Die ersten vier liefern Sprachmodelle zum Herunterladen, Black Forest Labs Bildmodelle. Das größte ist Mistral Large 3: 675 Milliarden Parameter insgesamt, 41 Milliarden davon aktiv je Token, 256.000 Token Kontext, Fassung v25.12 unter Apache 2.0.

Offen ist bei Mistral aber nicht alles. Die Modellübersicht führt Large 3, Small 4 und Ministral 3 unter Apache 2.0, das jüngere Medium 3.5 unter einer geänderten MIT-Lizenz. Codestral, OCR 4.1 und die Einbettungsmodelle laufen unter der Premier-Lizenz, Voxtral TTS unter CC BY-NC 4.0. Wer europäische KI-Anbieter pauschal als quelloffen führt, liegt daneben: Die Lizenz hängt am Modell, nicht am Hersteller.

Anbieterseiten und Modellkarten, Abruf 5. September 2026
AnbieterWas geliefert wirdLizenz und Zugang
Mistral AI, FrankreichSprachmodelle, Assistent Le ChatLarge 3, Small 4, Ministral 3 Apache 2.0; Medium 3.5 geänderte MIT-Lizenz; Fachmodelle geschlossen
Swiss AI Initiative, SchweizApertus in 8B und 70BApache 2.0, mit Transparenzunterlagen
Verbund EuroLLM, EU-finanziertEuroLLM in 9B und 22B, 35 SprachenApache 2.0
OpenGPT-X, DeutschlandTeuken-7B, 24 EU-Amtssprachenv0.6 CC BY-NC 4.0, nur commercial-v0.4 Apache 2.0
Black Forest Labs, FreiburgBildmodelle der Reihe FLUX.2FLUX.2 klein: 4B Apache 2.0, 9B FLUX Non-Commercial License
Aleph Alpha, HeidelbergSuite PhariaAI, angepasste ModellePharia-1-LLM-7B unter Open Aleph License, nur Forschung und Lehre
DeepL, KölnÜbersetzung, Schreibhilfe, SpracheDienst über eine Schnittstelle, keine Gewichte
LightOn, FrankreichPlattform Paradigm für regulierte Umgebungenim eigenen Unternehmen oder in privater EU-Cloud
Proton, SchweizAssistent LumoDienst mit Zero-Access-Verschlüsselung, keine Gewichte

Übersichtslisten mischen Modellanbieter, Plattformen und Rechenzentren und führen britische Firmen wie Stability AI als europäisch. Nach Art. 44 ff. DSGVO ist das ein Unterschied: Großbritannien ist Drittland mit Angemessenheitsbeschluss nach Art. 45 DSGVO, für andere Drittländer braucht es Garantien nach Art. 46 DSGVO.

Welche deutsche KI dabei ist

Deutsche KI heißt im September 2026 vor allem: ein öffentlich gefördertes Sprachmodell mit 7 Milliarden Parametern, ein Unternehmen für Bildmodelle und zwei Anbieter, die Modelle betreiben statt sie freizugeben. Ein deutsches Sprachmodell, das gegen die großen amerikanischen antritt, gibt es nicht.

Teuken-7B stammt aus dem Verbund OpenGPT-X mit Fraunhofer IAIS und IIS, DFKI, Forschungszentrum Jülich, TU Dresden und Lamarr-Institut, gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium. Es hat 7 Milliarden Parameter, deckt alle 24 EU-Amtssprachen ab und wurde zu über 50 Prozent auf nicht-englischen Daten trainiert, die Fassung v0.6 auf 6 Billionen Token.

Die jüngsten dort abgelegten Fassungen sind Teuken-7B-instruct-v0.6 vom 11. August 2025 und Teuken-7B-base-v0.6 vom 28. Juli 2025. Neuere Modelle hat das Projekt nicht veröffentlicht. KI aus Deutschland ist im Sprachbereich damit vor allem Forschung.

Bei der Lizenz hängt alles an der Fassung. Die Modellkarte von Teuken-7B-instruct-v0.6 trägt CC BY-NC 4.0 und schließt kommerzielle Nutzung aus. Unter Apache 2.0 steht allein die ältere Teuken-7B-instruct-commercial-v0.4 mit 4 Billionen Token. Wer die neueste Fassung nimmt, darf sie im Betrieb nicht kommerziell nutzen.

Dasselbe Muster bei Black Forest Labs aus Freiburg. Das Unternehmen führt die Reihe FLUX.2 vom 25. November 2025 und weist SOC 2 Type II und ISO 27001:2022 aus. Von FLUX.2 klein steht die 4B-Fassung unter Apache 2.0, die 9B-Fassung unter der FLUX Non-Commercial License. Aleph Alpha aus Heidelberg liefert die Suite PhariaAI und Pharia-1-LLM-7B unter der Open Aleph License, die nur Forschung und Lehre erlaubt. DeepL aus Köln liefert Übersetzer, Write, Voice und eine Schnittstelle, keine Gewichte.

Wenn im Gespräch „KI made in Germany“ fällt, lohnt die Rückfrage: Ist ein Modell gemeint, eine Plattform oder ein Rechenzentrum. Deutsche KI-Modelle im Sinne herunterladbarer Gewichte sind Teuken, Pharia und die FLUX-Reihe, und bei allen dreien entscheidet die Fassung über den Einsatz im Betrieb. Alles andere ist ein Dienst.

Ein deutsches Sprachmodell, das gegen die großen amerikanischen antritt, gibt es nicht.

Was europäisch im Betrieb tatsächlich bedeutet

Europäisch ist keine Eigenschaft der Gewichtsdatei. Ein Modell hat kein Land, es hat eine Lizenz und einen Herausgeber. Worüber Ihre Daten laufen, entscheidet der Betriebsweg. Ein europäisches Modell in einer amerikanischen Cloud löst die Frage nach dem Datenort nicht, ein amerikanisches Modell mit offenen Gewichten im eigenen Rechenzentrum sehr wohl.

Wie weit eine Ortszusage trägt, zeigt die Dokumentation des Anbieters, der seine EU-Datengrenze am ausführlichsten beschreibt. Microsoft benennt für diese Grenze aus EU und EFTA laufende Ausnahmen: Fernzugriff durch Personal von außerhalb, den die Dokumentation selbst als Übermittlung nach europäischem Datenschutzrecht bezeichnet, obwohl die Daten in EU-Rechenzentren bleiben; weltweiten Sicherheitsbetrieb mit Protokolldaten und selten auch Kundendaten in beliebigen Azure-Regionen; Beratungsdaten in US-Rechenzentren; eskalierte Supportfälle; wechselndes Netzrouting. Lässt ein Kunde Anthropic-Modelle in den generativen Diensten zu, werden Kundendaten in den USA verarbeitet. Abruf 5. September 2026.

Das entwertet die Zusage nicht. Sie ist eine Grenze mit benannten Ausnahmen. Bei einem Dienst sind sie Gegenstand des Vertrags, auf eigener Hardware entfallen sie.

Über den Datenort entscheidet der Betriebsweg, nicht die Nationalität des Modells
BetriebswegWer die Daten erreichen kannWoran es hängt
Dienst eines europäischen Anbietersder Anbieter und sein BetriebVertrag und die Ausnahmen, die er selbst dokumentiert
Europäisches Modell in einer Cloud außerhalb Europasder Cloudbetreiberdie Herkunft des Modells ändert daran nichts
Private Cloud oder Server beim Dienstleisterder Betreiber der Umgebungwer administriert, protokolliert und Fernzugriff hat
Offene Gewichte auf eigener Hardwareniemand außer IhnenRechenleistung, Betrieb und jemand, der beides führt

Nur beim vierten Weg ist die Frage nach dem Datenort mit einem Satz beantwortet. Was er verlangt, steht auf der Seite lokale KI im eigenen Netz.

Die Daten liegen innerhalb der Grenze, benannte Ausnahmen führen trotzdem hinaus.

Wo europäische Modelle mithalten und wo nicht

In den öffentlichen Ranglisten liegen sie zurück, und zwar deutlich. Am 5. September 2026 stand auf dem Intelligence Index von Artificial Analysis Mistral Medium 3.5 bei 23, Mistral Small 4 bei 13 und Mistral Large 3 bei 10. Die Spitze hielt Claude Fable 5.1 mit 57, Qwen3.8 Max von Alibaba kam auf 47, DeepSeek V4 Pro auf 42.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Der Index ist ein zusammengesetzter Wert und kein Prozentwert, ein Modell mit 23 ist nicht halb so gut wie eines mit 46. Und die Seite trug beim Abruf keinen Stichtag. Solche Ranglisten veralten binnen Wochen: Wer sie zitiert, nennt das Abrufdatum dazu.

Die Nutzerabstimmung sagt dasselbe. Im Text-Leaderboard von LMArena standen zum Stand 2. September 2026 auf den ersten fünfzehn Rängen nur Modelle von Anthropic, Meta, Google und Moonshot.

Für die Gegenbehauptung, europäische Modelle seien im Deutschen genauer, gibt es einen Prüfstein: SuperGLEBer, einen deutschen Verständnistest mit 29 Aufgaben vom Lehrstuhl für Data Science der Universität Würzburg. Eine Rangliste, die europäische Modelle vor die amerikanischen setzt, gibt die Seite beim Abruf nicht her. Verlangen Sie Benchmark, Modellfassung und Datum.

Was ein offenes Modell an Hardware verlangt

Eine offene Lizenz sagt, dass Sie die Gewichte nehmen dürfen. Sie sagt nicht, dass Sie sie betreiben können. Zwischen beidem liegt der Grafikspeicher, und der lässt sich ausrechnen: Parameterzahl in Milliarden mal Bytes je Parameter. In BF16 sind das 2 Byte, in 8 Bit rund 1 Byte, in 4 Bit rund 0,5 Byte. Die Parameterzahlen stehen auf den Modellkarten.

Untergrenze für die Gewichte allein, ohne den Kontextspeicher
ModellParameterGewichte in BF16Gewichte in 4 Bit
Mistral Large 3675 Mrd. gesamt, 41 Mrd. aktivrund 1.350 GBrund 338 GB
Apertus-70B70 Mrd.rund 140 GBrund 35 GB
EuroLLM-22B22,6 Mrd.rund 45 GBrund 11 GB
Ministral 3 8B8 Mrd.rund 16 GBrund 4 GB
Teuken-7B7 Mrd.rund 14 GBrund 3,5 GB

Zwei Fallen stecken darin. Mistral Large 3 ist nach seiner Modellkarte ein granulares Mixture-of-Experts-Modell: 673 Milliarden Parameter im Sprachteil, davon 39 Milliarden aktiv. Je Token rechnet es wie ein kleines Modell, im Speicher liegt es wie ein großes, weil alle Experten zur Laufzeit erreichbar bleiben müssen. Dazu kommt der Kontextspeicher je Sitzung.

Praktisch heißt das: Das stärkste offene europäische Modell ist für einen Betrieb mit 30 bis 300 Beschäftigten kein Kandidat für den eigenen Server. Was dort läuft, liegt zwischen 7 und 70 Milliarden Parametern, und genau dort stehen Apertus, EuroLLM, Ministral und Teuken. Wie das im eigenen Netz aussieht, zeigt der Fallbericht eines Armaturenherstellers, dessen Plattform seit Dezember 2025 läuft.

Für Fragen an die eigenen Unterlagen entscheidet ohnehin nicht das Modell, sondern die vorgeschaltete Suche. Wie ein solcher Aufbau arbeitet, steht in wie ein RAG-System funktioniert.

Was die KI-Verordnung mit der Herkunft zu tun hat

Nichts, und das ist der häufigste Denkfehler im ganzen Thema. Die Verordnung fragt nicht, woher ein Modell kommt. Art. 2 Abs. 1 KI-VO erfasst Anbieter, die KI-Systeme oder Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck in der Union in Verkehr bringen, „irrespective of whether those providers are established or located within the Union or in a third country“, dazu Betreiber in der Union und Anbieter aus Drittstaaten, deren Ausgabe in der Union verwendet wird.

Ein europäisches Modell nimmt Ihnen im Sinne dieser Verordnung keine Pflicht ab. Maßgeblich sind Ihre Rolle, die Risikoklasse und der Verwendungszweck.

Die Fristen, Stand September 2026

  • Seit 2. Februar 2025: die Verbote nach Art. 5 und die Pflicht zur KI-Kompetenz nach Art. 4.
  • Seit 2. August 2025: die Regeln für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck nach Art. 53, dazu Governance und Sanktionen.
  • Seit 2. August 2026: die Transparenzpflichten nach Art. 50, mit Übergang bis 2. Dezember 2026 für Systeme, die vorher auf dem Markt waren.
  • Ab 2. August 2027: nach Art. 111 Abs. 3 die Pflichten für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck, die vor dem 2. August 2025 in Verkehr kamen.
  • Ab 2. Dezember 2027: die Hochrisikopflichten nach Art. 6 Abs. 2 und Anhang III. Der Termin 2. August 2026 aus älteren Texten gilt nicht mehr.
  • Ab 2. August 2028: die Hochrisikopflichten für produktbezogene Systeme nach Anhang I.

Die Verschiebung steht in der Verordnung (EU) 2026/1744, der Digital-Omnibus-Verordnung zur KI, am 24. Juli 2026 verkündet und seit dem 27. Juli 2026 in Kraft. Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung.

Aktenregale und Ordner am Fenster
Die Fristen gelten für jede Herkunft

Kurz beantwortet

Vier Fragen aus dem ersten Gespräch, mit der kürzesten belastbaren Antwort.

Welche KI ist aus Europa?
Für Sprache Mistral aus Frankreich, Apertus aus der Schweiz, Teuken aus dem Verbund OpenGPT-X und das EU-finanzierte EuroLLM, für Bilder Black Forest Labs aus Freiburg. Dazu DeepL, Aleph Alpha und LightOn, die eigene und fremde Modelle betreiben.
Welche europäischen Chatbots und Alternativen zu ChatGPT gibt es?
Als Dienst: Le Chat von Mistral, Lumo von Proton mit Zero-Access-Verschlüsselung, dazu Oberflächen einzelner Anbieter auf Basis offener Modelle. Ob das reicht, entscheidet nicht die Herkunft, sondern Vertrag und Betriebsweg. Prüfen Sie die Datengrenze auf dieselben Ausnahmen wie bei jedem Cloud-Dienst.
Sind europäische Modelle besser als die amerikanischen?
Nach den öffentlichen Messungen nicht. Auf dem Intelligence Index von Artificial Analysis lag am 5. September 2026 das beste Mistral-Modell bei 23, unter einer geänderten MIT-Lizenz; das offen lizenzierte Mistral Large 3 lag bei 10, der Spitzenwert bei 57. Solche Werte veralten binnen Wochen. Der Vorteil liegt in der Lizenz und im Betriebsweg, nicht in der Antwortqualität.
Erfülle ich mit einem europäischen Modell die KI-Verordnung leichter?
Nein. Art. 2 Abs. 1 KI-VO gilt unabhängig davon, ob der Anbieter in der Union oder in einem Drittland sitzt. Erleichterungen ergeben sich aus Risikoklasse und Verwendungszweck, nicht aus der Herkunft.

Wann die Herkunft wirklich zählt

An vier Stellen zählt sie, und an keiner davon geht es um die Antwortqualität des Modells.

Dafür spricht die Herkunft

  • Die Unterlagen dürfen das Unternehmen nicht verlassen. Dann brauchen Sie offene Gewichte, europäisch mit Apertus, EuroLLM und Ministral, ebenso gut amerikanische mit offener Lizenz. Entscheidend ist die Lizenz der Fassung, nicht der Sitz des Herausgebers.
  • Beschaffung oder Aufsicht verlangen einen europäischen Anbieter. Dann ist die Herkunft eine Vorgabe und keine Abwägung. Fragen Sie nach, ob Modell, Plattform oder Rechenzentrum gemeint ist, sonst kaufen Sie das Falsche.
  • Sprachabdeckung steht im Lastenheft. Teuken deckt alle 24 EU-Amtssprachen ab, EuroLLM nach seiner Modellkarte 35 Sprachen. Ob sie im Deutschen genauer antworten, ist damit nicht gemessen.
  • Sie wollen das Lieferantenrisiko streuen. Ein Modell unter Apache 2.0 auf eigener Hardware läuft weiter, auch wenn der Anbieter seine Bedingungen ändert.

Die Herkunft ändert nichts an der Anwendbarkeit der KI-Verordnung und nichts daran, ob Ihre Daten die EU verlassen. Der Weg läuft umgekehrt: erst die Fälle, dann die Modellgröße, dann der Betriebsweg, zuletzt der Herausgeber.

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Erst die Fälle, dann Modellgröße und Betriebsweg, und zuletzt der Herausgeber, der am wenigsten wegnimmt.
Im Einzelnen

Wann Sie selbst zum Anbieter werden

Wer ein offenes Modell nur benutzt, ist Betreiber. Wer es unter eigenem Namen bereitstellt, kommt der Anbieterrolle nahe. Die Verordnung zieht die Linie selbst. Anbieter ist nach Art. 3 Nr. 3 KI-VO, wer ein KI-System oder ein Modell mit allgemeinem Verwendungszweck entwickelt oder entwickeln lässt und unter eigenem Namen oder eigener Marke in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt. Betreiber ist nach Art. 3 Nr. 4, wer ein KI-System in eigener Verantwortung verwendet. Welche Rolle Sie trifft, gehört vor den Aufbau geklärt.

Für Anbieter von Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck gelten seit dem 2. August 2025 vier Pflichten nach Art. 53 Abs. 1: technische Unterlagen nach Anhang XI für das KI-Büro, Informationen für nachgelagerte Anbieter nach Anhang XII, eine Strategie zum Urheberrecht einschließlich der Rechtevorbehalte nach Art. 4 Abs. 3 der Richtlinie (EU) 2019/790 und eine öffentliche Zusammenfassung der Trainingsinhalte.

Für Modelle unter freier und quelloffener Lizenz entfallen nach Art. 53 Abs. 2 die ersten beiden Pflichten, sofern Parameter, Architektur und Nutzungsinformationen öffentlich sind. Für Modelle mit systemischem Risiko gilt die Ausnahme nicht. Die Öffnung der Gewichte befreit halb, nicht ganz.

Systemisches Risiko erreicht ein Mittelständler nicht. Nach Art. 51 wird die Schwelle ab einem kumulierten Trainingsrechenaufwand von mehr als 10 hoch 25 Gleitkommaoperationen vermutet; wer ein offenes Modell feinabstimmt, kommt dieser Größe nicht nahe.

Wie ein Anbieter seine Pflichten sichtbar macht, zeigt Apertus. Die Modellkarte von Apertus-70B-Instruct-2509 nennt die Beachtung erklärter Vorbehalte der Datenbesitzer, eine öffentliche Zusammenfassung nach der KI-Verordnung, ein Dokument zum Verhaltenskodex und Kontaktadressen für Datenschutz- und Urheberrechtsanfragen. Das Modell wurde auf 15 Billionen Token trainiert, steht unter Apache 2.0 und erschien am 17. September 2025. Den Verhaltenskodex selbst hat die Kommission am 10. Juli 2025 veröffentlicht, freiwillig, mit Kapiteln zu Art. 53 und Art. 55.

Was hinter den europäischen Ankündigungen steht

Zwischen einer Ankündigung und einem herunterladbaren Modell liegt oft mehr als ein Jahr. Mistral hat am 11. August 2026 unter dem Titel „In-region inference, open models, and new European infrastructure for sovereign AI“ angekündigt, Rechenkapazität für die Inferenz in der Region, offene Modelle und langfristige Zusagen zusammenzuführen. Welche Standorte und Datenzusagen daraus werden, sagt die Meldung nicht.

Öffentliches Geld steht dahinter. Der AI Continent Action Plan der Europäischen Kommission, Stand 7. Mai 2025, nennt 20 Milliarden Euro über die Fazilität InvestAI und bis zu fünf KI-Gigafabriken. Das ist Rechenkapazität, kein Modell. Was daran an Modellen vorliegt, zeigt EuroLLM: 22 Milliarden Parameter, 35 Sprachen, rund 4 Billionen Token, Apache 2.0, finanziert von der Europäischen Union über einen EuroHPC-Zugang.

Für eine Beschaffung zählt deshalb, was auf den Modellkarten liegt, nicht die Pressemitteilung. Offen bleibt dreierlei: welche Datenzusagen Mistral seiner Infrastruktur gibt, wie die europäischen Anbieter in Bewertung und Rechenkapazität zu den amerikanischen stehen, und welche Preise sie aufrufen. Dazu lag am 5. September 2026 keine belastbare Quelle vor.

Der Punkt

Nicht die Herkunft entscheidet, sondern der Betriebsweg

Die KI-Verordnung gilt nach Art. 2 Abs. 1 unabhängig davon, ob der Anbieter in der Union oder in einem Drittland sitzt. Ein europäisches Modell nimmt Ihnen keine Pflicht ab, und ein Datenort in der EU ist eine Zusage mit benannten Ausnahmen.

Was sich ändert, ändert sich eine Ebene tiefer. Ein Modell mit offenen Gewichten dürfen Sie auf eigener Hardware betreiben, und dann verlassen die Unterlagen das Unternehmen nicht. Wer ein Modell nur benutzt, bleibt Betreiber. Wer es unter eigenem Namen bereitstellt, übernimmt eigene Pflichten. Diese Erlaubnis geben europäische wie amerikanische Herausgeber, und bei beiden hängt sie an der Fassung.

Dieselbe Datei, zwei Wege: im eigenen Unternehmen endet der Weg, außerhalb des Unternehmens läuft er weiter.
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